die Biskaya

Wir sind in La Coruña angekommen. Wir haben die Biskaya geschafft. Wir sind Helden...

Und ich habe viel zu erzählen.

Frank und Volker kamen dank SNCF pünktlich in Cherbourg an. Die Freude war groß, es konnte weitergehen. Nach einem Großeinkauf am nächsten Tag und einem tollen Abendessen (wer mal nach Cherbourg kommt, sollte unbedingt im La Cale flambierte Jakobsmuscheln probieren: ein Erlebnis..) starteten wir gen Guernsey.

Am Cap de la Hague plötzlich kochte die See. Kurze abgehackte Wellen >2m aus dem Nichts schüttelten uns durch. Unsere TimpeTe krachte in die Wellentäler und ich hatte zu tun, das Schiff auf Kurs zu halten. Nach Umrundung des Caps wurde es besser. Wir hatten achterlichen Wind und setzten den Gennaker. Alles war gut, entspanntes Segeln. Wir fuhren an einem Fischerboot vorbei, von dem aus man uns freundlich zuwinkte. Ich dachte noch, wie nett die Leute hier sind, als uns auffiel, daß das Winken mehr aufgeregtes Gestikulieren war. Plötzlich gab das Boot ein Signal und dann sahen wir es auch. Vor uns eine Wellenfront wie aus dem Nichts. Es erinnerte an die Brandung an einem Riff. Panik. Frank startete den Motor und wendete. Ich kämpfte mit dem Gennaker und bekam ihn mit Mühe ins Boot. Gerettet. Wir umfuhren den Whirpool und dankten den Fischern. Die gefürchteten Eddies und Races vor Alderney. Wir hätten aufmerksamer sein sollen. Eine Lehre.

In Gernsey angekommen ging es erst einmal an den Waitingpontoon. Der Wasserstand reichte noch nicht für die Einfahrt in den Hafen (rote Ampel). Der war nämlich durch ein Sill gesichert. Einfach eine Mauer hinter der das Wasser bei Ebbe im Hafen gehalten wurde. Und über die musste man erst einmal rüber. Kein Problem, wir lagen mit vielen anderen Booten im Päckchen und fragten uns, was das wohl für ein Gedränge werden soll, wenn die Ampel grün zeigt und der Kampf um einen Liegeplatz beginnt.
Aber wir hatten nicht mit der perfekten Organisation des Hafenteams gerechnet. Die Boote wurden einzeln abgeholt und an einen Liegeplatz gebracht. Was für ein Service...

Ich wäre gern noch 1-2 Tage auf Gernsey geblieben, aber wir mussten den günstigen Wind nach Roscoff nutzen. Also raus aus dem Hafen, sobald der Wasserstand reicht und Kurs SW. Wenig Wind, also Motor an um überhaupt anzukommen. Und das war dann um 22:00Uhr. Roscoff. Hunger. Wir bekamen noch mit Mühe und Not Burger und Pommes. Am nächsten Tag wollten wir dann frisches Brot für die Biskaya-Etappe kaufen. Aber, böse Falle, es war der 14.7. und Nationalfeiertag in Frankreich. Alles geschlossen. Was nun? Die nette Kellnerin verriet uns aber, dass ein Geschäft trotzdem geöffnet wäre und Volker kam am nächsten Morgen tatsächlich mit einem Arm voll Baguettes zum Boot. Es konnte also los gehen.

Die Biskaya. Ehrlich gesagt, Respekt hatte ich schon davor. Man liest ja so einiges...
Aber das Wetter spielte mit und letztlich war die Überfahrt recht entspannt. Bis auf die letzte Nacht vielleicht, aber der Reihe nach.

Nach einem Tankstopp in Roscoff ging es los. Die See war ruppig, weil Dünung gegen Tide und der Wind genau gegenan. Also wieder den Motor an und abwarten. Die See beruhigte sich bald und wir konnten segeln. Bei der Umrundung vom Cap Finisterre war der sagenumwobene Leuchtturm Four ein Ereignis. Das Foto von ihm inmitten einer riesigen Gischtwelle ging um die Welt.
Abends setzten wir den Gennaker. Segeln vom Feinsten. Als es dunkel wurde, haben wir ihn aber sicherheitshalber wieder eingeholt und sind mit Genua und Groß weitergesegelt. Dann die erste Nacht. Nur 4 Stunden geschlafen.  Die lange Atlantikwelle sorgte für Leben im Boot. Alles festzurren. Essen, Umziehen und Klo wurde zur Herausforderung. Aber wir nahmen es locker.

Am nächsten Tag dann schönstes Wetter. Sonne pur, wenn auch weniger Wind. Aber Delfine. Ich könnte stundenlang zusehen, mit welchem Spaß die Tiere mit der TimpeTe um die Wette schwimmen. Immer wieder begleiteten uns einige Delfine für 10-15 Minuten. Einfach schön.

Mitten auf der Biskaya im Nirgendwo landete plötzlich eine Taube auf unserem Boot. Sie krallte sich im Segel fest um auszuruhen. Wo kam die denn her? Da wir wohl ganz friedlich wirkten, flog sie aufs Deck. Ich öffnete die Sprayhood ein Stück und tatsächlich kam unser neues Haustier zu uns ins Cockpit. Offensichtlich war sie an Menschen gewöhnt.

Sie blieb 2 Tage, bekam Wasser und Körner und wir überlegten schon, ob wir sie bei der Ankunft in Spanien anmelden müssten, als plötzlich eine zweite Taube erschien. Sie umflog unser Boot, unser Haustier reckte den Hals und flog zu ihr. Nach einer Verabschiedungsrunde um die TimpeTe verschwanden sie. Gute Reise...

Aber das war noch nicht der Höhepunkt unserer tierischen Erlebnisse auf See. Wir segelten bei gutem Wind, der Autopilot tat seine Arbeit und wir dösten im Cockpit. Plötzlich, nicht weit von uns, ein langes Schnaufen wie von einem Pferd. Ich dachte mich laust der Affe, ein Wal!!
Und wirklich, ein Finnwal kreuzte unseren Kurs, doppelt so lang wie unser Schiff. Wir waren begeistert. Auch das wurde uns noch geboten!! Er oder sie ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, tat so, als wären wir gar nicht da. Majestätisch, magisch.

Dann die letzte Nacht. Wir fuhren in ein Starkwindfeld hinein, glücklicherweise mit achterlichem Wind. Das wussten wir vorher. Aber wie werden sich die Wellen entwickeln? Atlantikdünung gegen Windsee?? Mit 8,5kn fahrt rauschten wir im Dunkeln La Coruña entgegen. Es brieste immer mehr auf. Bei 33kn Wind hatte ich die Idee, besser steuern zu können als unser Autopilot. Dummer Fehler. Es ging zwar ganz gut, verlangte aber viel Aufmerksamkeit und schnelle Reaktionen am Rad.  Wie haben die das damals nur gemacht? Stundenlang, tagelang und ohne Technik..

Langsam kamen die Lichter der spanischen Küste in Sicht. Volker beobachtete die Kennungen und glich die Plotterkoordinaten mit der Karte ab. Außerdem verdanken wir ihm ein erstmals vorbildlich geführtes Logbuch. Die Küste und das Ende unserer Überfahrt rückte näher. Frank übernahm das Ruder und ich konnte endlich in die Koje.

Gegen 6:00Uhr wieder an Deck: Land in Sicht. Die Einfahrt in die Bucht von La Coruña war erreicht. Frank fuhr uns bis zum Hafen. Dort wurden wir von Torsten, einem Freund aus Berlin, schon erwartet, der unsere Ankunft fotografierte. Er lag dort mit seinem Boot und wollte am nächste Tag die Biskaya in der Gegenrichtung überqueren.

Nun waren wir in der Marina La Coruña. Müde, nicht mehr ganz frisch aber glücklich.

 

 

ein Finnwal
© Frank
und jeden Tag Delfine
St. Peter Port auf Guernsey     
©Frank
die Einfahrt bei Ebbe 
©Frank
Leuchtturm Four am Cap Finisterre
Frank & Volker bei der Arbeit
gerettet
unser blinder Passagier
Ankunft in La Coruña
©Torsten