2018 es geht weiter

12.4.2018. Wir sind wieder da. Endlich. Sonne, sommerliche Temperaturen bis 25°C, Vögel zwitschern, Blumen blühen....in Deutschland! Als wir in Sevilla landeten, war es saukalt. Es regnete in Strömen, alles grau in grau. Na toll, das hatten wir uns anders vorgestellt. Nach einigem Hin und Her bekamen wir unseren Leihwagen und fuhren mit dem Gepäck (ein großer Karton und eine Reisetasche je 20kg) nach Rota. Ob unser Boot den Winter gut überstanden hat? Immerhin hatte Phil was von 50kn Wind geschrieben.

Alles im Lot, der Atlantik ist noch da und inzwischen auch die Sonne.

 

Als endlich wieder alles an seinem Platz und das Boot bereit war für den nächsten Teil der Reise, musste nur noch die Sprayhood repariert werden. Der untere Reißverschluss ließ sich schon seit einiger Zeit nur noch mit längerem Zureden schließen. Er musste erneuert werden. Außerdem hatte unsere Persenning für den Cockpttisch und das Rad durch den Sturm einige Löcher bekommen. Der nächste Segelmacher war in Porto Sherry, ca. 20km von Rota entfernt. Ein Auto hatten wir noch, also auf nach Puerto Sherry zum Segelmacher Velas Climent. Er war uns durch unsere Freunde Phil und Mary wärmstens empfohlen worden und wir fanden ihn tatsächlich, wenn auch nach einigem Suchen im Hafen. Ich schilderte dem Segelmacher meine Lage: Reparatur der mitgebrachten Sachen aber nur noch heute ein Auto. O.K. das machen wir gleich, kommen Sie in 3 Stunden wieder!!! Ich war baff. Das hätte ich nicht erwartet. Wir nutzten die Zeit für Einkäufe und tatsächlich, als wir zurückkehrten war alles aufs Feinste repariert.

Sevilla


Am 17. musste wir unseren Leihwagen wieder abgeben. Also zurück nach Sevilla, die Besichtigung des Königspalastes Alcázar stand noch auf dem Programm, das hatten wir im vergangenen Jahr nicht geschafft.

Nachdem wir den Wagen zurückgegeben hatten, ging es mit dem Bus in die Stadt. Sevilla war in Feierstimmung. Überall sah man festlich gekleidete Frauen in Flamencokleidern und Pferdegespanne mit echten Caballeros.

 

Charlys Yacht


Um die Freude komplett zu machen, meldeten sich auch unsere Freunde Phil und Mary, die ihr Boot in Porto Cherry in der Werft hatten und nun auf dem Weg zurück nach Rota waren. Mary lud uns zu einer Paella ein. Die schmeckte phantastisch. Es wurde ein netter und langer Abend. Leider mussten sie nach ein paar Tagen wieder zurück nach England. Aber wir sehen uns im Winter wieder. Da Phil ein großer Mozartfan ist, werden wir in Berlin die Zauberflöte mit ihnen erleben. Ich freue mich schon jetzt darauf.

Flamencofieber


Und dann kam Charly. Sein Boot, man muss schon sagen Yacht (50 ft) lag uns gegenüber am Steg. Charly ist Franzose, Weltenbummler und Weltumsegler. Er hat sich 6 Jahre im Mittelmeer aufgehalten und wollte jetzt in die Karibik. Die für das Mittelmeer angeschaffte Gangway brauchte er dort nicht mehr und wollte sie mir schenken. Er meinte mit unserer absenkbaren Badeplattform kämen wir nicht weit. Der Schwell wäre in manchen Häfen sehr groß und dafür brauchte man einen Steg. Ich hatte das auch schon gelesen, aber bisher keinen Laden gefunden, der solche Dinger verkaufte. Außerdem waren die sehr teuer. Deshalb ging dann auch die Feilscherei los. Ich wollte die Gangway bezahlen, er wollte kein Geld. Nach einigem Hin und Her einigten wir uns auf den halben Neupreis.
Außerdem bekamen wir noch Hafenhandbücher für das Mittelmeer. Bezahlen? Keine Chance. Bevor er wieder nach Paris flog haben wir noch bei Tapas und Wein Abschied gefeiert. So nette Menschen trifft man nicht alle Tage...

Marina Barbate
Tarifa, der südlichste Punkt Europas


Es ist schon witzig, über das Rollfeld des Flughafens von Gibraltar in den englischen Teil zu kommen. Wenn die Ampel rot zeigt, wartet man nicht auf Autos oder einen Zug sondern auf ein Flugzeug. Man, das sind unzählige Autos natürlich Fußgänger und Fahrradfahrer wie wir. Bei Grün geht es dann hinein in das Getümmel einer am Verkehrsinfarkt erstickenden Großstadt. Mit Mühe fanden wir einen Chandler (Bootsausrüster) der uns wegen der fehlenden Mehrwertsteuer als billig empfohlen wurde. Doch weit gefehlt. Die Waren dort waren eher teurer als in Deutschland oder es waren "Touristen-Sonderpreise". Jedenfalls fand ich die Einsteckhülse für die Gangway, die noch fehlte mit 38₤ recht teuer. Aber was soll´s ich brauchte sie.

Der rechts bin ich...

In Afrika


Beim Abschied meinet Phil, wenn wir schon mal in Gibraltar sind, sollten wir unbedingt einen Abstecher nach Afrika und zwar nach Ceuta machen. Ceuta ist eine spanische Exklave gegenüber von Gibraltar. Keine Einreiseformalitäten, billiger Diesel und eben Afrika. Gespannt waren wir schon und der Wetterbericht sagte moderaten Westwind voraus (von der Seite, super zum Segeln) also los. Es sind bloß knapp 20sm, aber die hatten es in sich. Die vielen Frachter und dann doch 20-25kn Wind sorgten für Stress. Außerdem war es kalt. Saukalt. Und das Anfang Mai an der afrikanischen Küste. Verrückt. In Deutschland waren es 27°C an dem Tag.
In der Marina Herkules in Ceuta (das erste Mal mit Muringleine am Bug und das Heck zum Steg) tauten wir dann wieder auf. Der kalte Atlantikwind war weg, Nun sind wir also in Afrika gelandet. Ich hatte mir vorgestellt, dass wir auch etwas von afrikanischem Leben und afrikanische Andenken finden würden, aber Fehlanzeige. Es war eben eine ganz normale spanische Stadt. Die üblichen Geschäfte, die üblichen Touristenartikel. In einem marokkanische Laden am Hafen erstanden wir wenigstens eine kleine Schale, bei der man sich mit einiger Fantasie die afrikanische Herkunft vorstellen konnte. 

 

Afrika

Die Herkules-Marina hatte 2 Vorteile. 1. sie lag mitten in der Stadt und 2. sie hatte eine Tankstelle in der man für 98ct/l Diesel tanken konnte. Da meine für die Biskaya angeschaffte Kanister leer waren, war das ein Grund mal kräftig Diesel zu bunkern.

Nach etwas Sightseeing und einem sehr guten Tapas-Essen machten wir 2 Tage nach unserer Ankunft in Ceuta die Leinen los und segelten zurück nach Europa, genauer nach Estepona. Wieder sagte der Wetterbericht 10-15kn Wind aus W voraus, nur diesmal glaubten wir nicht daran und machten uns auf mehr gefasst. Natürlich war das dann auch so. Mit max. 28kn hatten wir sogar mehr Wind als bei der Hinreise.
Aber für unser Schiff kein Problem. Der Autopilot tat seinen Dienst und wir kamen mit 8,5kn Fahrt sagenhaft schnell voran. Das ging bis kurz vor Estepona gut. Dann plötzlich lief das Schiff aus dem Ruder. Die Segel schlugen, der Autopilot machte Geräusche, als ob man Kieselsteine ins Getriebe getan hätte und funktionierte nicht mehr. Mist. Hoffentlich gibt es hier Ersatzteile...

Und damit sah es zunächst nicht gut aus. So einen Getriebemotor hat natürlich kein Laden im Lager. Also Recherche im Internet. Nachdem ich den Preis im Onlineshop von LEWMAR erfahren hatte, musste mich Kriemhild erst einmal wiederbeleben. Aber was hilft es, immer am Rad stehen ist auch keine Lösung. Immerhin bot ein Händler in Deutschland den Antrieb um einiges billiger an, also bestellte ich das Ding dort. Wir werden ohnehin 10 Tage in Caleta de Velez sein um unseren Enkel + Familie zu treffen, in der Zeit wird die Lieferung hoffentlich ankommen. Um sicher zu gehen, ließ ich das Teil zu Verwandten schicken, die in der Nähe von Caleta eine Finca haben. Ein fataler Fehler, wie sich noch herausstellen sollte.

Endlich wieder Thunfisch. Frisch vom Boot.


Durch den Sturm war der Reißverschluss unserer Winterplane aufgerissen, sonst aber war alles so wie wir es verlassen hatten.
Da kann man sich erst mal ein Bier gönnen.
Natürlich gab es noch viel zu tun. Plane verstauen, Relingskleider anbringen, das Bimini aufziehen das Dingi aufpumpen und verstauen und natürlich das Boot schruppen.
Nach 2 Tagen glänzte wieder alles.....
 

Ein Gruß von der Sahara.


….aber leider nicht lange. Der Wind drehte auf Süd, wurde stürmisch und brachte Saharasand mit, der sich mit den Regenschauern zu einer braunroten Brühe vermischte. Das Boot sah aus, als hätte man das Deck mit Zimt bestreut. Also wieder putzen. Dann wieder Regen. Das Spiel machte ich 3x mit, dann war ich so schlau wie die Spanier und wartete erst einmal ab.

Alcázar


Der Eingang zum Palast war schnell gefunden. Die Schlange war nicht zu übersehen. Ausgerechnet, aber wer da rein will muss das wohl erdulden. Nach "nur" einer 3/4-Stunde waren wir im Allerheiligsten und bestaunten die Architektur und die kunstvollen Fassadenverzierungen. Beeindruckend was die Leute vor 700 Jahren schon so drauf hatten.

Die Gangway für das Mittelmeer

Im Mittelmeer


Am 25.4. war es dann soweit. Wir verließen unseren Winterhafen Rota mit Kurs auf Barbate. Barbate ist ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Gibraltar, mehr nicht. Die Stadt scheint nicht so toll zu sein. Am nächsten Tag dann weiter in die von der Crew gefürchtete Straße von Gibraltar. Laut Mediterranean Almanach gibt es dort 300 Tage im Jahr ca. 30kn Wind. Mal aus O, mal aus W. Wir erwischten einen von den restlichen 65 Tagen mit eher zu wenig Wind.


Aber es reichte um mit ca. 6-7kn. bis Gibraltar zu segeln. Allerdings half der Flutstrom mit 3kn kräftig mit. Ein entspannter Tag. Bis Gibraltar. Dort herrschte ein so starker Schiffsverkehr, dass wir höllisch aufpassen mussten, um an den großen Pötten vorbei zu kommen.

um 17:30Uhr machten wir in der Marina La Linea mit Blick auf den Affenfelsen fest.

Am nächsten Tag mussten wir unbedingt auf den Berg und die Affen besuchen.  Putzige Tierchen, die einem schon mal auf den Rucksack hüpfen und den auch aufmachen können. Füttern ist streng verboten, aber irgendwie finden die immer was bei den Touristen. Einem Herrn vor mit klaute ein Affe eine Tüte Bonbons aus der Tasche und verspeiste sie in Windeseile. Dabei wickelte er die mit einem Geschick aus, als ob er das oft geübt hätte. Hat er wahrscheinlich auch.

Glücklicherweise gab es eine Seilbahn nach oben, so dass uns der Aufstieg erspart blieb. Wenn nur das Anstehen vor der Bahnstation nicht gewesen wäre...

Der kalte Weg ins warme Ceuta
Meerenge von Gibraltar, die Säulen des Herkules
Der Antrieb ist kaputt