Die Staande Mastroute

Motoren mit einem Segelboot macht ja eigentlich keinen Spaß aber die Staande Mastroute ist der Hammer. Nach der Schleusung in Delfzijl und etlichen km durch Felder und Wiesen erreichten wir Groningen und dort gleich hinter der Brücke (die wievielte eigentlich?) den Stadthafen. Ein guter und trotz der Stadtnähe ruhiger Liegeplatz.

Am nächsten Morgen ging es durch die Stadt. Unglaublich. Mit einem Segelboot mit immerhin 16m Masthöhe durch enge Kanäle zwischen Straßen und Häusern hindurch. Das passte ungefähr so, als ob ein Panzer durch eine Fußgängerzone rollt.

Gut dass wir hinter einem holländischen Segler hinterherfahren konnten. Der übernahm die Abstimmung mit den Brückenwarten per Funk.

Nach 28 Brücken und 3 Schleusen (eine davon war allerdings offen, da konnte man einfach durchfahren) erreichten wir Zoutkamp.

manchmal war es eng...

Friesland

Holland ist toll. Die Leute entspannt und freundlich, Liegeplätze sind kein Problem. AUF GAR KEINEN FALL... die Worte kennt man hier nicht. Und dann die Fahrt auf Kanälen durch Wiesen (Kühe rechts, Kühe links)  und kleine verträumte Städtchen. Wollen wir wirklich noch ins Mittelmeer??

Jetzt haben wir an einem Wachtplaats in der Dokkumer Ee festgemacht. Mitten in der Natur nur besagte Kühe und ein paar Fahrradfahrer sonst Wiese. Die Sonne scheint und es ist Kaffeezeit. Hier bleiben wir. Die Fahrt durch Dokkum heute war malerisch. Endlich gab es auch die typischen Windmühlen zu sehen. Goldig war auch die Kassierung des Brückengeldes. An einer Angel wird ein kleiner bemalter Holzschuh ins Boot gehalten, in den man dann das Brückengeld (Der Betrag steht auf einem Schild an der Brücke) hineinlegt. Für den Fall sollte man ausreichend Kleingeld bereithalten.

 

 

Dokkum

Am nächsten Tag durch Leeuwarden nach Starteiland. Die Marina dort Natur pur, fast leer, hatte genug Tiefgang war aber nicht in unserer Staande-Mast-Broschüre beschrieben. Warum eigentlich nicht?
Danach Richtung Lemmer. Wir blieben dort 2 Tage (einkaufen, Wäsche waschen, klar Schiff).

 

Das IJsslemeer

4.6.17. Endlich mal wieder segeln. Die Windprognose war o.k. und es ging früh aus Lemmer nach Lelystad. Wie sich dann herausstellte, war diesmal die Windvorhersage eher untertrieben. Die versprochenen 12- 14kn wurden schnell 16-19kn. Gegen an kein reines Vergnügen. Die Crew war not amused. Wenigstens waren die Wellen auf dem flachen IJsselmeer kein Problem. Der Vorteil, wir kamen sehr flott voran und legten gegen Mittag in Lelystad an.

Am nächsten Tag dann weiter nach:

Amsterdam

Heute Nacht bin ich von einem Geräusch wach geworden, als wenn jemand mit einem Riesen-Kärcher das Deck abspritzt. Regen wie ein Wasserfall.. und natürlich Sturm. Den haben wir schon seit 2 Tagen. Lt. Wetterbericht in Böen Windstärker 10!! Dazu Dauerregen vom Feinsten. Kein gutes Wetter für eine Stadtbesichtigung. Erst recht kein Wetter für eine nächtliche Brückentour durch die Stadt. Wir liegen sicher im Sixhaven. Vorsichtshalber habe ich die Luvleinen verdoppelt. Es sieht nach Weltuntergang aus.
Am Ankunftstag war das Wetter allerdings gut. Die Sonne schien, es war warm. Amsterdam, die Grachten, die alten Häuser, die Wohnboote, ein Bier mit Blick aufs Wasser. Kann man aushalten....

Die Grachten

Nachts durch die Großstadt

Wir werden um 24:00 Uhr durch Amsterdam geschleust. Wir, das sind zwar nur 4 Segelboote, aber im Sommer können es auch mal 20 sein. Das würde den Verkehr lahm legen, deshalb nur nachts. Der Sturm hatte sich gelegt, es war warm. Dunkel natürlich auch und das sorgte trotz der Straßenbeleuchtung für eine besondere Atmosphäre. Ich fand´s toll, meine Crew weniger. Nach x Brücken, die sich vor uns wie von Gesterhand öffneten und einer Schleuse, waren wir gegen 2:30Uhr vor einer Autobahnbrücke am Flughafen Schiphol. Die öffnet interessanterweise erst um 5:00Uhr. Also anlegen und warten. Aber wo?? Der "Wachtplaats" reichte gerade für 2 Boote. Wir waren 4, also im Päckchen angelegt, kein Problem. Was wird hier im Sommer mit 20 Booten wohl los sein? Die Stahlbrücke sorgte übrigens für einen Mordsradau, wenn die LKWs darüber donnerten. An Schlaf war nicht zu denken...

 

Und weiter ging es Richtung Dordrecht. Unterwegs trafen wir uns in Alphen mit unserem "kleinen" Sohn und Familie. Unser Enkel war begeistert.

Dordrecht hat uns sehr gefallen. Die Marina mitten in der Stadt, der Hafenmeister sehr nett (wie überall auf unserer Staande Mastroute) und die Stadt nicht so quirlig und durch militante Fahrradfahrer kreuzgefährlich wie Amsterdam.

 

Dordrecht

 

Aber da kannten wir Willemstad noch nicht. Dieser kleine Ort toppte alles Bisherige.

Aus einer ehemaligen Festung entstand ein beschauliches Städtchen mit schönen gepflegten Häusern, Rüsterngängen und natürlich einer Windmühle.

 

Willemstad

 

Am nächsten Tag, es war inzwischen der 14.6.2017, ging es weiter in Richtung Vlissingen. Vor uns lagen 2 Schleusen mit festen Brücken. Die Durchfahrtshöhe betrug 18m. Unsere Masthöhe war von Bavaria mit 15,5m angegeben. Mit  Antenne vielleicht 16m. Das sollte passen. Mulmig wurde mir allerdings, als in die Jachtsluis, nachdem die Boote alle festgemacht hatten, ein Frachtschiff auf uns zusteuerte. Ich dachte noch, der wird doch wohl nicht...??? Doch, er fuhr tatsächlich in die kleine Schleuse. Mir wurde Angst und Bange. Zwischen unserer TimpeTe und der Schiffswand war gefühlt nur 20cm Platz. Als das Schiff dann schräg fuhr um anzulegen, hatte ich schon Fluchtpläne. Aber auch das ging gut. Die Jungs wissen, was sie tun.

 

in der Schleuse

Vlissingen

Wir sind da. Sind in Vlissingen angekommen. Eigentlich hatten wir uns auf einen Stadtbummel gefreut, aber die Marina war erstens voll (wir lagen mit einem sehr netten Holländer im Päckchen) und lag dazu im Hafenviertel mit Industrieumgebung.

Nun ist sie also zu Ende, die Staande Mastroute. Wir haben viel gesehen und erlebt. 100 Brücken (ja genau 100) und 17 Schleusen liegen hinter uns. Morgen wird uns die 18. in die Westerschelde und damit in das freie Fahrwasser entlassen.

Das Resümee?

Es war toll mit dem Segelboot mitten durch ein Land zu fahren. Einzigartig. Das gibt's nur hier.
Wir haben viele nette Menschen getroffen. Alles läuft weniger hektisch und weniger bürokratisch ab als in Deutschland. Man ist entspannt...
In Holland kann man sich wohlfühlen. 
In Sachen WLAN ist Deutschland übrigens ein Entwicklungsland. In keiner deutschen Marina klappte es damit so gut wie hier. Unseren Regierungsbürokraten sei Dank.

Mit dem Tiefgang von 1,6m und der Durchfahrtshöhe von 16m unserer TimpeTe hatten wir keine Probleme. Dumm war nur, dass die Unterlagen über die Staande Mastroute in Willemstad endeten. Wir mussten noch 2 Kartensätze zusätzlich kaufen um uns bis Vlissingen zu orientieren.

Ein Nachtrag:
Die Schleuse in Vlissingen erwies sich als unerwartete Hürde. Als wir ankamen, fuhren gerade Schiffe hinein, die Schleuse stand auf grün. Super, dachte ich, hinterher.

Leider legten die  Segelboote gleich hinter der Einfahrt an und wir hatten keinen Platz. Ich ging davon aus, dass sich ein Boot nach vorn verholen würde um uns Platz zu machen, aber Fehlanzeige. Gerade wollte ich wieder hinausfahren, als das Schleusentor zu ging. Also diagonal!! zwischen den Booten. Die Aktion kostete uns zwar fast den Flaggenstock, aber alles ging dann doch gerade noch gut.

Ein Stegnachbar sagte mir später, dass das im Sommer noch schlimmer wäre. Dann herrschen in den Schleusen bürgerkriegsartige Zustände. Also, wenn diese Route, dann bitte nicht im Juli oder August!!

 

 

Zoutkamp
enge Kanäle
Mittagspause in Dokkum
Übernachten an der Wiese
Leeuwarden
Hubbrücke, Klappbrücke, Drehbrücke, aber von der Seite??
Einfahrt nach Amsterdam
Wohnbootidylle
warten bis Mitternacht vor der Eisenbahnbrücke
Nachtfahrt durch die Brücken von Amsterdam
Opa sagte, auf dem Boot muss man immer auf der Hut sein...
Altstadthafen Dordrecht
Frachter in der Jachtensluis