Die erste Reise mit unserer TimpeTe....

Es gibt Sommer, da stimmt einfach alles. Die Sonne scheint ganz selbstverständlich jeden Tag, der Wind weht mit 3-4 in die Richtung in die du segeln willst und die Temperatur der Ostsee erinnert an den letzten Mittelmeerurlaub. 

2010 war so ein Sommer.

Wir fuhren am 7.7. 2010 zu einem besonderen Ereignis nach Rostock. An diesem Tag sollten wir unsere TimpeTe bekommen. Aufgeriggt und ausgerüstet lag sie am Kai der Yachtservice Pohl GmbH zur Übernahme bereit. Segelfertig mit Mast und allem Zubehör war sie noch schöner als in der Halle in Werder. Und größer. Kaum zu glauben, dass das Boot nun unser Boot ist. Es sollte noch eine ganze Weile dauern, bis ich das begriffen hatte.

Herr Ranke aus Werder erwartete uns schon, um die Technik des Schiffes zu erklären und das Boot zu übergeben. Ich kannte den Bootstyp schon von Charterreisen in Kroatien. Viele Details unseres Bootes waren dennoch neu für mich. Ich hörte mir alles an, merkte mir, aufgeregt wie ich war, nur die Hälfte und fühlte mich wie Alice im Wunderland. Alles war neu, roch neu glänzte neu.  

Meine Crew, d.h. mein Sohn und meine Frau sahen wohl, dass mit mir nicht viel anzufangen war und verschwanden, um Proviant einzukaufen. 

Nach dem Ende der Einweisung und nach diversen Unterschriften war die Zeremonie beendet und ich der Kapitän. Die Crew kam zurück und wir nahmen unser neues segelndes Ferienhaus in Besitz, d.h. wir räumten ein.  Es ist erstaunlich, was man für einen 2 ½-wöchigen Urlaub so alles braucht. Nur gut, dass wir die meisten Sachen schon in Werder an Bord verstauen konnten. Irgendwann war dann alles an seinem Platz. Wir waren zum Ablegen bereit. 2 Dinge hielten uns aber davon ab. 1. Hunger und 2. Das Viertelfinale Deutschland-Spanien. Wir fuhren also zum Essen und zur Großbildleinwand nach Rostock. Ersteres war kein Problem und das Spiel.. na ja, man kann nicht alles haben.

Am nächsten Morgen dann endlich: Leinen los. Wir motorten nach Warnemünde. Vielleicht hätten wir auch segeln können, aber ich habe mich im Fahrwasser noch nicht getraut. Neues Schiff, enge Fahrrinne, keine Revierkenntnis. Vor Warnemünde war es dann soweit. Segel raus und Motor aus, Lautlos dahingleiten. Segeln ist schön…..

Warnemünde

Dann das erste Anlegemanöver in der Marina Hohe Düne. Natürlich waren die Heckleinen zu kurz für die Box und natürlich hatten wir strammen Seitenwind (Anlegen ist immer mit Wind und immer aus der falschen Richtung). Aber wir waren ja glücklicherweise zu Dritt und nach einigem Hin und Her lagen wir sicher in der Box. Wir konnten einen Anleger trinken und Hafenkino gucken. Die anderen Schiffe mussten ja auch anlegen....
Problematisch war allerdings die Deckshöhe. Vom Steg aus war, um auf‘s Boot zu kommen, Klettern angesagt.  

Die Marina Hohe Düne ist erstklassig. Bestes Preis-/Leistungsverhältnis bei den Ostsee-Marinas, die ich kenne.

Für die Überfahrt nach Rügen hätte es ruhig etwas mehr Wind geben können. Das Wasser wurde zunehmend glatter und die Luft heißer. Badestopp. Wir klappen die Badeplattform  zurück und lassen uns, an die Badeleiter geklammert, abwechselnd durchs Wasser ziehen.  So weit weg von der Küste im Meer zu baden ist schon komisch. Mehr noch als auf dem Schiff spürt man im Wasser die Abhängigkeit von einem dünnen Bootsrumpf. Ich kaufe demnächst eine Rettungsinsel.

Hiddensee

Es wird etwas kühler am Abend. Gott sei Dank. Die in x Bildern festgehaltene Abendröte verspricht auch heute wieder für den nächsten Tag Kaiserwetter. Wir liegen in einer Box in der Marina Langeort in Vitte und genießen es, dort zu sein, dazu zu gehören, Zeit zu haben.
Die Insel ist der schönste Fleck an der deutschen Ostseeküste, das steht fest. Leider für andere auch, denn es ist rappelvoll. Wir hatten richtig geplant und sind von Wieck aus so aufgebrochen, dass wir gegen 11 Uhr in Vitte ankamen und uns geradewegs in die einzige freie Box in der ersten Reihe hineinzwängen konnten. Das hatte geklappt. Die Weitersegler waren schon weg und die Tagessegler noch nicht da.

Klappfahrräder raus und die Insel erkunden. Einiges hatte sich verändert seit dem letzten Besuch vor, ja wie lange ist das her, 4 Jahren? Die Straße von Vitte nach Neuendorf war fast fertig. Endlich nicht mehr durch den Sand schliddern. Die Häuser in Vitte allerdings sahen noch genauso aus wie immer, soll heißen wie vor 20 Jahren. Einige immer noch arg mitgenommen. Schickimicki ist jedenfalls anders. Gut so. Vielleicht macht diese hemdsärmliche ländliche Atmosphäre gerade den Erholungseffekt aus.

Der Strand ist nach wie vor ein Highlight. Besonders abends wenn die Hitze nachlässt,  die Tagestouris weg sind und die Sonne kitschig dunkelrot im Meer untergeht. Das kann man nur mit einem zünftigen Sundowner ertragen.

 

In den nächsten Jahren hatten wir viel zu lernen. Über das Schiff, Wind und Wellen, die Hafenmanöver und die unterschiedlichen Marinas.

Leider war der Aktionsradius aber überschaubar. Das Wochenende reicht nur für den Greifswalder Bodden und der Urlaub? Na ja, die erreichbaren Häfen in Dänemark / Bornholm und Südschweden kennt man nach ein paar Jahren.

Dann ein Charterurlaub in Kroatien. Das Wasser, die Sonne, die Inseln, das Klima, die Leute...das veränderte alles. Von da an gab es nur den einen Wunsch: ich muss ins Mittelmeer.

Mit dem eigenen Boot natürlich, und das musste ich erst einmal meiner Crew beibringen. Der wichtigste und sensibelste Punkt des Vorhabens.

Schiffsübergabe
Marina Hohe Düne, Warnemünde
Die Hitze lässt nach, herrlich...
Am Strand