Segeln um Westeuropa

Sardinien links herum

Fast wie Urlaub...

Ankern ist eine feine Sache.  Man ist für sich, braucht keine Hafengebühren zu bezahlen und kann jederzeit vom Boot aus ins Wasser springen. Allerdings muss das Wetter stimmen und der Anker halten.
Ab dem 16.06. war die erste Bedingung erfüllt. Es war endlich sommerlich warm geworden und der Wind, der am Morgen noch mit 20kn aus Süd wehte, sollte abends nur noch ein Lüftchen sein.
Also auf nach Villasimius in die Ankerbucht, die wir schon mit Anne und Hans besucht hatten. Durch den morgentlichen Wind war das Segeln ein Vergnügen. Irgendwie scheint der Süden Sardiniens wettertechnisch ein super Segelrevier zu sein.
Nur unter Genua segelten wir mit bis zu 8kn Fahrt die Küste entlang. Großartig.
Ein paar Seemeilen vor Villasimius schlief der Wind wie vorhergesagt ein und wir mussten unter Motor in die Bucht tuckern. Wenigstens das Einfahren des Ankers klappte sofort.
Baden, Faulenzen und einige Kleinigkeiten am Boot nachsehen und reparieren, mehr fiel nicht an. Urlaubsfeeling. Um uns herum andere Ankerlieger aus Italien, England, Deutschland, Malta, Tschechien und sogar aus den USA.
Abends wurde es stimmungsvoll, wenn die Sonne mit einem roten Feuerwerk hinter den Bergen verschwindet. Die Ankerlichter der Boote gehen nach und nach an und der Wind schläft endgültig ein. Zeit für Panne Guttiau, Schinken, Pecorino und ein Glas Vermentino.

Abendstimmung in der Ankerbucht

Am zweiten Tag vor Anker waren die Batterien wieder auf ca. 35%. Also den Motor mit ausgekuppeltem Antrieb tuckern lassen. Nach 1,5 Stunden Gebrumme waren sie wieder über die Hälfte voll. Glücklicherweise störte die Aktion keinen, die anderen Boote waren zu weit weg.
Morgen werden wir ohnehin weiter nach Norden fahren, wir brauchen Wasser und Lebensmittel. In Corallo werden wir für die nächsten Ankeraktionen bunkern und natürlich die Batterien aufladen. Hoffentlich ist die versprochene Verkaufsstelle auf dem nahen Campingplatz offen.

 

Die Marina Corallo.

Eine Hoffnung, die sich leider nicht erfüllte. Aber der Betreiber des Campingplatzes war sehr nett. Ja, einkaufen könnte man hier nichts, nur im ca. 6km entfernten Ort. Aber wir könnten sein Auto haben und damit zum Ort fahren!! Man staunt immer wieder...
Da wir nicht dringend etwas brauchten, haben wir dankend abgelehnt.
Sonst ist Corrallo wirklich keine Empfehlung. Etwas heruntergekommen, ohne jeglichen Service, aber mit einem netten Marinero, der uns auf den Anruf hin sofort in Empfang nahm und uns einen Liegeplatz zuwies.

Die Weiterfahrt  nach Arbatax war dann allerdings ein einziger Horror. Wir hatten wieder mal Flaute (war ja nicht neu) aber dazu eine Dünung von ca. 0,5m quer zum Boot. Die Schaukelei über 6 Stunden war furchtbar. Kurz vor dem Hafen Arbatax war das dann meiner Crew zu viel. Kreislaufkollaps mit allem was dazugehört. Es dauerte 3 Tage, bis für sie die Welt wieder in Ordnung war.

Die Sonne macht die Nähte morsch. Da muss der Käpt'n ran..

In Arbatax hatte ich die Wasserpumpe unseres Motors reparieren lassen. Ein Simmerring war kaputt und es tropfte Seewasser heraus.
Davide von der Servicefirma hatte das repariert, dabei aber die Öldichtung beschädigt. Also hatten wir jetzt Öl statt Wasser in der Bilge. Glücklicherweise waren wir wieder in Arbatax, da musste Davide nochmal schrauben. Kein Problem, bald war wieder alles dicht.

Jetzt Öl statt Wasser


Ob es im Maddalena Archipel auch so schön ist? Ich kann das mir kaum vorstellen. Die Informationen über Marinas, Mooringtonnen und Ankerbuchten sind wie immer spärlich. Man muss eine Eintrittskarte für das Inselgebiet kaufen. Gebühren für das Festmachen extra. Die dafür eingerichtete Website war jedenfalls nicht zu gebrauchen. Vielleicht erfahren wir vor Ort mehr.
Man darf nicht überall und schon gar nicht nach 22:00Uhr ankern. Ob man an Mooringtonnen übernachten darf ist ungewiss. Wenn ja, wo gibt es die und wieviel kostet eine Nacht in der Hochsaison? Es gibt zwar schöne Prospekte über die Historie, die Flora und Fauna, aber diese Informationen fehlen.

Die Promenade von Maddalena.

Das Maddalena Archipel

Darüber hatte ich viel gelesen. Das Segelparadies vieler Charterer aus der Marina di Portisco. Die Buchten sind hier in der Saison entsprechend voll.
Unser erstes Ziel war die  Inselhauptstadt Maddalena. Dort hofften wir, das vorgeschriebene Permit kaufen zu können und einige nautische Informationen über das Gebiet zu bekommen.
Als wir uns der Marina näherten (es war inzwischen der 1.7. also Hochsaison) hatten wir befürchtet, keinen Platz zu bekommen. Aber weit gefehlt. Ein Schlauchboot hielt auf uns zu du fragte, ob wir einen Liegeplatz in der Marina wollten. Natürlich wollten wir und folgten dem Boot. Das Problem war also gelöst. Dass es dort weder Klos noch Duschen gab, war der unangenehme Nebeneffekt, aber wir waren immerhin auf der Insel.
Beim Bezahlen (78€, das ging gerade noch für die Hochsaison) sagte man uns, wir bräuchten keinen Permit für das Archipel zu bezahlen und wir könnten, wie alle anderen auch, über Nacht vor Anker liegen. Absaugvorrichtungen für Fäkalientanks, die laut Prospekt geschlossen sein sollen, gab es auch nirgendwo.
Wie stellen die sich das bitteschön vor?

Cala di Villamarina auf der Isola San Stefano,
2 Tage ankern, baden und den Schatten suchen.

Nach 2 wunderbaren Tagen in der Cala di Villamarina wollten wir in einer Bucht an der Westseite von Maddalena übernachten, aber keine Chance. Zwischen den Inseln rasten unentwegt Motorboote aller Größen mit allem was der Motor hergab an der Bucht vorbei. Es war wie an der Autobahn, nur mit den entsprechenden Wellen. Wir ersparten uns Ankerversuche und flüchteten sofort nach Porto Pozzo. Eine fjordähnliche Bucht, die tief ins Land einschneidet und die vor den vorherrschenden Winden Schutz bietet. Allerdings war der Ankergrund recht modderig, so dass wir zum kleinen Hafen am Südende der Bucht fuhren und an einer Mooringboje festmachten. Endlich Ruhe.

Abendstimmung in Porto Pozzo.
Einstürzende Neubauten als Ferienidylle auf dem Weg nach Castelsardo. Schön ist anders...
Castelsardo


Castelsardo ist in mehrfacher Hinsicht ein Highlighte.
1. das sehenswerte Castel, das auf einer Bergkuppe über der Stadt gelegen, schon bei der Anfahrt ins Auge fällt.
2.  ein wirklich großer Supermarkt direkt in der Marina, von dem aus man mit dem Einkaufswagen bis zum Boot fahren kann und
3. ein kleiner Strand als Erfrischung gegen die mörderische Hitze

Die Marina Castelsardo von oben.


9.7.19 Für heute war eigentlich der Törn nach Stintino geplant, dem nächsten Hafen in Richtung Westen, aber das Wetter spielt wieder mal verrückt. Kurz vor dem Ablegen haben wir zum Glück nochmal auf Windy  geschaut und da war plötzlich von Böen über 30kn die Rede. Gestern sah das noch ganz anders aus. Die Crew meuterte sofort und wir beschlossen, noch einen Tag länger in Castelsardo zu bleiben.

Porto Stintino

13.7. Sonnabend. Mit dem Bus ging es heute an die Nordspitze zur Spiaggia la Pelosa.
Wasser und Strand sind ein Karibiktraum.

eine Sinfonie in blau und türkis....


Die Farnelli-Passage um die Nordwestspitze Sardiniens ist etwas tricky. Zwischen den Inseln Isola Pianna und Isola Asinara führt ein enges und stellenweise mit 3-4m recht flaches Fahrwasser hinaus an die Westseite Sardiniens. Bei stärkerem Wind, der in der Düse zwischen den beiden Inseln öfter mal vorkommt, können gefährliche Grundseen entstehen. Man sollte also ruhiges Wetter abwarten.
Und das tun wir gerade. Noch wütet der Mistral, aber am Dienstag soll der Wind nachlassen und sich ein passendes Wetterfenster öffnen. Hoffen wir, dass es dabei bleibt.

Asinara, die Insel im Nordosten von Sardinien.
Hinterlassenschaft der Geschichte. Als ehemalige Gefängnisinsel beherbergte Asinara namhafte Mafiagrößen, ganz normale Mörder oder Drogenhändler.

Die Wetterprognosen hatten sich verschlechtert. In den nächsten 2 Tagen soll es Westwind um die 30kn geben. An eine Durchfahrt durch die Passaggio dei Fornelli zwischen den Inseln ist nicht zu denken. Also noch in der Marina bleiben. Aber das ist das Problem. Die Marina wäre voll, wir hätten nicht reserviert, wir sollen morgen nochmal nachfragen. Meine Crew war völlig verängstigt. Mit einem Segelboot ist man windabhängig und die Vorhersage dafür ändert sich täglich. Einen Liegeplatz vorher reservieren, wie soll das gehen?

Oft trifft man in den Häfen deutsche Segler, die schon jahrelang im Mittelmeer unterwegs sind und mit denen man schnell ins Gespräch kommt. Selten allerdings so nette wie Schnorki und Rolf.
Wir sahen uns schon in Isola Rossa und Castellosardo, in Sintino lagen wir quasi nebeneinander am Steg.

Die Beide segeln schon seit 30 Jahren auf dem Mittelmeer und kannten sich aus. Wir hatten viel zu erzählen, bekamen wertvolle Tipps zu Sehenswürdigkeiten und Häfen. Außerdem sprachen sie italienisch! Durch ihre Hilfe konnten wir 2 Tage länger in Stintino bleiben und mussten nicht bei dann doch über 40kn Wind ankern.
Vielen Dank Euch und immer den richtigen Wind in den Segeln. Wir sehen uns beim TO-Treffen in Cuxhaven....

Die Fornelli-Passage: im Slalom um das Riff.
Capo Caccia, eine fast 200m senkrechte Felswand.
 

Die Altstadt von Alghero ist wirklich sehenswert. Leider finden das auch andere. Es war ein Gedränge wie beim Sommerschlussverkauf. Die Gassen voll, die Restaurants voll, die Läden voll, aber trotzdem schön.

Abendstimmung, die Beleuchtung alleine ist ein Hingucker.
Im Hintergrund kann man die Disco ahnen, die uns am Sonnabend mit Bassgewummer verwöhnte.
Blick auf das Capo Caccia von der Ankerbucht aus. Malerisch, wenn nur der Schwell der Motorboote nicht wäre...
der Temo

Auf dem Weg nach Carloforte hatten wir einen Ankerstopp vor der Isola Mal di Ventre eingeplant. Sie wurde als traumhaft aber überfüllt beschrieben. Lt. Navily soll es kostenlose Mooringbojen geben. Als wir ankamen, war sogar noch eine Boje frei, Glück gehabt. Wir beschlossen, 2 Tage zu bleiben, denn die Insel, die Ruhe, das glasklare Wasser, der Sonnenuntergang waren einfach paradiesisch.
Gegen Abend besuchte uns dann ein Boot von der Guardia di Finanza. "ob wir denn eine Lizenz für die Benutzung der Bojen hätten!???". Hatten wir natürlich nicht. Im Internet war darüber auch nach längerer Recherche nichts zu erfahren. "Wir müssen die Boje verlassen und ankern". "Und wo?" "100m weiter aber nicht dort, wo Seegras ist, nur im Sand." O.k. Froh darüber, dass wir keine 300€ Strafe zahlen mussten, wie Segler im Golf von Oristano berichtet haben, suchten wir im Dämmerlicht eine sandige Stelle und ließen den Anker fallen. Ganz in der Nähe einer anderen Boje zwar, aber diesmal geduldet. Am Abend waren alle Bojen frei und 3 Segelboote ankerten daneben. Falls ein Anker slippt, wird der Posidonia-Seegrund trotzdem umgepflügt. Was macht das für einen Sinn?
Wenn die Regeln nicht geheim gehalten, sondern in den gängigen Publikationen und im Internet veröffentlicht würden, dann hätten wir uns eine Genehmigung besorgen und für die Bojen ggf. etwas bezahlen können, aber so? Verstehe das italienische Staatswesen wer will...

 

Nachdem Baden: Frühstück vor Anker.

Gestern wurden wir durch die Guardia di Finanzia vertrieben, heute durch die Guardia Costiera. Um 17:00Uhr kam ein Boot von denen mit Volldampf von der sardischen Küste zu uns. Klar, dass die den Ausflug nicht umsonst machen, sondern sich ordentlich in Szene setzen wollen. 4 Mann Besatzung (sorry 3 Mann und eine übrigens recht attraktive junge Frau) schauten mit todernster Mine in die fragenden Gesichter der Bootsbesatzungen und verkündeten dann, dass alle Boote, die vor Anker lagen zu dicht am Ufer wären. Kurioserweise auch die, die (mit welcher Genehmigung auch immer) an den extra dafür ausgelegten Tonnen festgemacht hatten. Natürlich waren wir auch zu nahe am Ufer. Dabei lagen wir vorschriftsmäßig mit mindestens 200m Abstand von der Insel und unser Anker war im Sand eingegraben ohne die Meeresflora zu beschädigen. Wurden die Vorschriften wieder in Geheimabsprache geändert? Ich hätte mich mit den Herren gern näher unterhalten, aber ohne italienisch, keine Chance. Selbst die italienischen Bootsbesatzungen verzichteten auf langes Palaver und gaben klein bei. Die kannten das wohl. Also Anker auf, 50m weiter seewärts verholt und einen neuen Sandfleck gesucht. Zum Glück fanden wir den auch und ließen erneut den Anker fallen.

Behördenwillkür? Wird wohl Zeit, dass wir dieses Land verlassen. Hoffentlich geht es in Spanien geordneter zu.

 

Anker auf bei Sonnenaufgang.


Aber vorerst sind wir in Carloforte. Auf der Insel St. Pietro gelegen, ticken die Uhren hier etwas anders als auf Sardinien. Die Stadt ist irgendwie sauberer, gepflegter, die Marina vom Feinsten und für die Hochsaison nicht mal teuer. Gut, dass wir nicht zurück nach Cagliari gefahren sind, wie anfangs geplant. Einziger Wermutstropfen ist der Schwell, den hin und wieder die ein- und auslaufenden Fähren erzeugen.
Abends durch die Gassen und kleinen Straßen zu schlendern ist ein Erlebnis. Viele Blumen, viele kleine Läden und eine Piazza auf der sich abends die Leute treffen, um miteinander zu reden. Auch gerne alle gleichzeitig. Wer keinen Gesprächspartner hat, greift zum Telefon. Die Restaurants sehen urig aus und lassen auf Gaumenfreuden hoffen. Wir werden das ausprobieren, wenn unsere Mitsegler Frank und Charlotte angekommen sind, die wir am 1.8. erwarten.

Regatta bei der Ausfahrt aus Cagliari.
Saharasand in der Luft.


Nach 2 Tagen gingen unsere Stromvorräte zur Neige. Die AGM-Batterien waren nur noch zu 35% geladen und wir beschlossen, um die Südspitze der Halbinsel herum in die gegenüberliegende Ankerbucht zu fahren. So konnten wir die Batterien etwas aufladen und in einer noch schöneren Bucht den Anker fallen lassen. Dort gab es keine Dünung, kein Geschaukel durch in den Hafen fahrende Boote, noch weniger Wind und natürlich wieder dieses glasklare Wasser.
Glücklicherweise waren nur wenige Boote dort. Im August wird man hier eng an eng liegen, denn die Bucht ist wirklich malerisch.

Die Isola di Càvoli.
Wenig Wind, der Weg nach Porto Corallo war lang...
Marina Navarrese, einfach toll..


Nach den Erfahrungen der letzten Etappe wollten wir es ruhiger angehen lassen und fuhren nur 3sm in die gegenüberliegende Marina Navarrese. Was für ein Unterschied zum eigentlich recht netten Arbetax! Die Lage, eingesäumt von bewaldeten Bergen, die Sanitäranlagen, die es mit einem 4-Sterne Hotel aufnehmen konnten und natürlich Pietro, der uns schon bei der Einfahrt in akzentfreiem Deutsch begrüßte. Ich war platt.
Wie sich herausstellte war Pietro in Deutschland aufgewachsen, dann aber nach Sardinien zurückgekehrt. Die Verständigung war also kein Problem.
Der Ort erwies sich als ebenso gepflegt und nett wie die Marina selbst. Hier kann man Urlaub machen.
Und das wollen / müssen wir auch für ein paar Tage, weil wir längere Etappen nach Norden vor uns haben und der Wind (endlich mal Wind) natürlich genau aus Norden kommt. Mit Rücksicht auf meine Crew lassen wir es ruhiger angehen und warten noch etwas, bis der Wind dreht.

Punta die Capecciolo, traumhaft


Über Caletta ging es weiter nach Norden in eine traumhafte Ankerbucht. Das Wetter passte und der Ankergrund hielt. Also im glasklaren Wasser baden, faulenzen und wohl fühlen. Das ging auch bis 2:00Uhr nachts ganz gut. Dann wurde mit einer Maschine, die dem Geräusch nach ein umgebauter Panzer aus dem ersten Weltkrieg sein konnte, der Strand geharkt! Um diese Zeit?! Die Hotelgäste werden sich mit uns gefreut haben...

Die Isola Tavolara. Über 500m senkrechte Felswände. Spektakulär!
Eine polnische Charterflotte, bestehend aus 2 Katamaranen mit je 8 Mann Besatzung, erfreute uns schon nach dem Anlegen lautstark mit heimischer Volksmusik. Die Party am Steg ging bis 2:00Uhr nachts.....
In Madallenas Straßen: 
der allgegenwärtige Garibaldi 
Frühstück nach dem Baden in der Ankerbucht.
Unser neues Haustier?
Weiter nach Westen: Porto Isola Rossa.

Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns vom Maddalena Archipel und nahmen Kurs auf die Isola Rossa. In der gleichnamigen Marina bekamen wir einen sehr schönen, aber, weil hinter der großen Kaimauer gelegen, auch einen sehr heißen Liegeplatz. Abends erfreuten uns diesmal gleich 2 Bands mit einheimischer Musik. Die spielten ungerührt gegeneinander, so dass wir manchmal das Schlagzeug der einen und den Gesang der anderen Band hörten. Irgendwie schräg aber das störte anscheinend keinen und wir waren abgehärtet.

 

de Fischer sin Fru
Der Glockenturm von Castelsardo
Die Mooringleinen in Castelsardo schienen schon lange unbenutzt zu sein.
Die Kathedrale mit Marienaltar.
…..neben Museen und verwinkelten Gassen gibt es im Castel zum Glück auch Bistros....

Stintino ist ein wirklich hübscher Ort, der seinen Charme als ehemaliges Fischerdorf durch die touristischen Einflüsse der Neuzeit nicht verloren hat. Hier gibt es noch nette Straßen mit Geschäften des täglichen und des Kitsch-Bedarfs, natürlich viele Restaurants und Bars und eine Kirche, die den Dorfmittelpunkt markiert.
Der einzige Makel sind die Sanitäreinrichtungen der Marina. Als Bretterhäuschen getarnte Container, die Ihre besten Zeiten schon seit Jahrzehnten hinter sich haben. Aber immerhin sauber. 

Der alte Porto Stintino.
….aber leider auch für viele andere.


Schon vom Bus aus war das unglaubliche Farbspiel des Wassers zu erkennen. Wir waren baff. Als wir dann an den Strand kamen, trauten wir unseren Augen nicht. Menschenmassen wie ich sie noch nie an einem Strand auf einem Haufen gesehen habe. Man musste stellenweise über Handtücher steigen, um überhaupt vorwärts zu kommen. Der Platz für ein Handtuch war knapp, von einer Badedecke ganz zu schweigen. Im Slalom ging es dann ins Meer und das war einfach umwerfend. Glasklares Wasser, weißer Sand und um die 30° warm.
Irritiert war ich, als plötzlich ein Strandwächter erschien und uns klarmachte, dass es 100€ Strafe kostet, wenn man sein Handtuch oder die Decke direkt auf den Sand legt. Es gehört eine Bastmatte darunter! Verstehe das wer will, es war Mittagszeit und wir wollten sowieso gehen.

Esel haben hier Vorfahrt.

Segelfreunde, die wir schon in Isola Rossa und Castelsardo getroffen hatten, schwärmten von der Insel Asinara, die man unbedingt besuchen sollte. Von unserer Marina Stintino aus fuhren Ausflugsboote dorthin, also buchten wir eine Jeeptour durch die Insel und fuhren hin. Eine traumhafte Natur. Und Gefängnisruinen, die einen eigenartigen Kontrast dazu bilden. Paradies und Armageddon, eine merkwürdige Mischung. Aber das Paradies überwog bei weitem, wir waren begeistert.

Hier und nur hier gibt es die berühmten weißen Esel, eine endemische Albinorasse.
Die Bildunterschrift, die meine Crew wollte, gebe ich hier nicht wieder...
Die Schnorki

Am 17.07. ging es endlich weiter durch die Fornelli-Passage an die Westküste Sardiniens. Der starke Wind war vorbei und machte, wie schon so oft, einer Flaute Platz. Die Fahrt nach Alghero, unserem nächste Hafen, wurde deshalb eher ein Motor- als ein Segeltörn. Die beeindruckende felsige Küste entschädigte dafür.

Die Marina Ser-Mar


Durch die App Navily (den Tipp bekam ich von Schorki, unbedingt herunterladen!!) hatten wir uns die Marina ser-mar in Alghero ausgeguckt und dort telefonisch reserviert. Sehr nette Leute, kann ich empfehlen. Von dort aus war es mit den Bordrädern ein kurzer Weg zum Supermarkt oder in die Altstadt.

Die Gassen von Alghero.
Früher ging es rauer zu...


Nach 3 Tagen kannten wir alle Gassen, Kirchen und Wachtürme. Wir segelten in die nahe Bucht Porto Conte, einfach traumhaft dort. Man konnte an Mooringbojen fest machen, die noch dazu kostenlos waren.
Baden, faulenzen und mit dem Dingi die Küste entlang tuckern.
Allerdings hatte der Aufenthalt auch kleine Schattenseiten....

Bosa am Temo. Eine herrliche Altstadt mit engen Gassen unter dem Castell.

In Bosa, einem hübschen alten Ort an der Westküste gibt es im Fluss 2 Marinas. In der Marina Nautica Pinna bekamen wir keine Antwort auf unseren Funkanruf, aber in der Marina nebenan, dem Porto Di Bosa, wurden wir nett empfangen und bekamen einen Liegeplatz. Mal was anderes, in einen Fluss im Süßwasser zu liegen. Absolut geschützt und ohne den Schwell der letzten Tage. Allerdings waren die Sanitäranlagen nicht das Gelbe vom Ei. Als ich die Duschen sah, kehrte ich sofort wieder um. Dann besser an Bord abspülen.

Ankern vor der Isola Mal di Ventre. Malerisch.

So phantastisch das Wasser auch ist, man sollte aufpassen.
An der Ostsee sind die Quallen, wie es sich gehört, tot wenn sie ans Ufer gespült werden, hier nicht. Die Viecher sind nicht größer als vielleicht 5-6cm im Durchmesser, brennen aber wie Teufel.

Der Angriff der Mörderqualle.


Wir starten früh, es sind ca. 50sm bis Carloforte. Mit 10-12 kn halbem Wind macht das Segeln spaß. Leider schläft der Wind gegen Mittag wieder ein.

Pünktlich zum Kaffee legen wir in der Marina Sifredi an. Ich hatte einen Liegeplatz telefonisch reserviert, wäre aber nicht nötig gewesen, es war genug frei.

Gassen in Carloforte.
Hier gibt es sogar Flamingos.